Zur Geschichte des Alten Gewandhauses am Dresdner Neumarkt

 

Planungs-Voraussetzungen für die Errichtung des Alten Gewandhauses

 


 

 
 

1524–44 

Errichtung eines Kaufhauses im Zwingerbereich der mittelalterlichen Stadtbefestigung
(späterer Umbau zum Alten Gewandhaus)  

Zu den ersten Bebauungsstrukturen auf dem Grundstück des Alten Gewandhauses
Aus den Ratsakten des Jahres 1651 (Stadtarchiv Dresden, Akte C.XIII.6, 5-8)

 

Aus den Ratsakten des Jahres 1651 (Stadtarchiv Dresden, Akte C.XIII.6, 5-8)
„[...]und ist sonderlich aus des Raths an dem Gewandhause undt Fleischbänken befindlichen Wapen so viel zu befinden, daß, wie die darübergesetzte Jahrzahl anweiset, das eine Stück an der Ecke 1525, da Ihro fürtstl. Durchl. Hertzog George im Regiment gewesen, und hernach ferner nach Anweisung des anderen Wappens anno 1532, da Ihro fürstl. Durchl. Hertzog Johannes und Friedrich anstatt ihrer Herrn Vaters, Hertzog Georgens, so damals in Friesland gewesen, regieret, und dann das dritte laut der unter demselben Wappen befindlichen Jahrzahl anno 1544 bey Ihro Churfürstl. Durchl. Maurity Zeiten, aller Christmilder Gedächtnis von dem Rath mit großen Uncosten vollend erbauet worden[...]“

 


 

 
   
  1548–55 

Auflassung und Planierung der mittelalterlichen Festungsanlagen zur Frauenvorstadt hin

 

 
   
  Festung  
   
 

Forderung nach zügiger Bebauung des ehemaligen Festungsbereichs nach Auflassung der mittelalterlichen Festungsanlage

 

 
   
 

 Aus den Ratsakten des Jahres 1548 (aus Butte, Geschichte Dresdens bis zur Reformationszeit, 271):
„[...]Das übrige Gelände, besonders hinter der Stadtmauer, soll der Zeugmeister für den Rat zu Dresden abstecken als bürgerliche Bauplätze zur bürgerlichen Gewerbe und Braunahrung gegen feste Gebühren; doch ist der Bauraum nur an solche Personen abzugeben, die binnen kurzem zu bauen in der Lage wären.[...]“

 

 
   
 

Der Neumarkt und seine Platzkanten entstehen aus den mittelalterlichen Handelswegen zur Frauenvorstadt und der Festung Dresden, sowie aus der über dem ehemaligen Festungsgraben der mittelalterlichen Stadtbefestigung im Jahre 1555 angelegten Moritz- und Augustusstraße.

 


 

 
   
  1555

 Planung für einen Umbau des Kauf- oder Gewandhauses zu einem Zeughaus durch Kurfürst Augustus

 
   
 

 Erste Planung kurz nach Planierung der mittelalterlichen Stadtbefestigung

 

 
   
 

 Aus dem Finanzarchiv des Jahres 1555 (Hauptstaatsarchiv Dresden, Loc.37821, Rep. XXII, Dresden No. 4, 3):
„[...]Dem Rath zu Dresden anzeigen lassen, das S. Churf. Durchl., das Neue gebaute Gewand Hauß, uff dem Neuen Markt, zu einem Zeugkhause haben, und das underst Theil sampt dem Hofe gebrauchen wolle [...]“

 


 

 
   
  1588

 Errichtung des Stallhofes im ehemaligen Festungsbereich

 


 

 
   
  1591 

 Beginn der Bauarbeiten zum Neuen Rathaus am Neumarkt

 
   
 

 Zur Grundsteinlegung des Rathauses am Neumarkt

 

 
   
 

Aus den Ratsakten des Jahres 1591 (Stadtarchiv Dresden, Akte C.XIII.1, 63-67):
„[...] und aufn Neuen margkt Irer Churf. gn. Neuen Stall gebeuden gegen uber, und an denen orth, da damals in Unterm Geschoß auf der Erden, die Fleischbanck, und oben darauff das Kaufhaus geordnet und gehaltten worden, fürgestelltem Abriß und Modell nach, mitt Rath seiner Churf. gn. Zeugk Baumeister Paul Puchners zu bauen, den Neundten Monatstagk Augusten bemelts Jahres im Nahmen der heiligen unzertrenttlichen Dreyfaltigkeitt, Gott Vathers, Sohnes und Heiligen Christs angefangen und dieser Grund-und Eckstein gelegt[...]“

 


 

 
   
 

1593

 

Fertigstellung des Alten Gewandhauses 

 
   
 

Öffentliche Nutzung des Alten Gewandhauses

 

 
   
 

Aus den Ratsakten des Jahres 1751 (Stadtarchiv Dresden, Akte C.XIII.21, 3-5):
„[...] Werden die oberen Etagen des Gewandhauses
 a. Zum feilhaben derer fast aus dem gantzen Lande und besonders aus der Oberlausitz in großer Menge
     anhero kommenden Tuchwaaren an denen 3. Jahrmärckten
b. Zum feilhaben derer feinen Tischlerwaaren 3. Tage vor den Jahrmärkten
c. Zur Session der allgemeinen Ritterschaft bey Land Tagen
d. bey denen Landes Huldigungen
e. Vor die Commoedianten gebraucht und sind daher gantz unentbehrlich[...]“

 

 
   
 

Das Alte Gewandhaus wurde außerhalb der Jahrmarktszeiten von der Schauspielertruppe der Neuberin für
Aufführungen genutzt, die weit über Dresden hinaus Anerkennung fanden.

 

 
   
  GewandhausZeichnung  
   
 

 

Planungen für eine Neubebauung des Gewandhausgrundstücks

 


 

 
   
 

1610

 

Anordnung des Hofes das Rathaus an die Stelle des Alten Gewandhaus zu verlegen durch
Kurfürst Christian II.  

 
   
 

Wiederholte Planungen für eine Verlegung des Rathauses auf den Neumarkt

 

 
   
 

Aus dem Geheimen Archiv des Jahres 1610 (Hauptstaatsarchiv Dresden, Loc 4453/16, 12-19):
„[...] Dieweil wir auch aus gemeinden wesen vernommen, als ob E. Churfürstl. G. sollte berichtet worden sein, das wir zu erbauung eines neuen Rathhaußes am Neuenmarck eine ansehenliche Summa fehld und alßo der izigen Schaden albereit bezahlet empfangen hetten, derhalben wir mitt dem Rathhauße auf dem Neumarkt sollten zuverweißen sein[...]“

 


 

 
   
 

1651 

Planung zur Errichtung einer Wachtstube im Alten Gewandhaus

 


 

 
   
 

1707 

Anordnung das Rathaus an die Stelle des Alten Gewandhaus zu verlegen durch König August II:

 

 
   
 

Aus den Ratsakten des Jahres 1707 (Stadtarchiv Dresden, Akte C.XIII.7, 2):
„[...]dem allhiesigen Rathe zu erkennen geben, und ihn zugleich dahin bedeuten, aus dem Gewandhauße auf dem Neumarckte, nach beschehener Zurichtung einiger benöthigten Zimmer, hinführo seine Raths Sessiones zu halten, das alte Rathhauß hingegen unverlängt abzutragen[...]“

 


 

 
   
 

1718

 

Planungen für die Erichtung eines Reithauses auf dem Grundstück des Alten Gewandhauses

 
   
 

Anhaltendes Interesse des Hofes an einem Repräsentationsbau auf dem Grundstück des Alten Gewandhauses

 

 
   
 

Aus den Ratsakten des Jahres 1716 (Stadtarchiv Dresden, C.XIII.10, 1-2):
„[...] zu Euer Königl. Majt. Und Churfürstl. Durchl. Höchsten nahmen hat Ihro geheimster Cabinets-Rath, Herr Christoph Heinrich von Watzdorf uns dato angedeutet, wes maßen dieselbe alergnädigst gesonnen, die Fleischbänke aufm Neumarkt zu einem Reithhause adaptieren zu lassen[...]“

 

 
   
   RathausGewandhaus  
 

 
     

 

 
     
 
     

 

 
     

 

 
 

1751

  Planungen für die Errichtung eines Packhauses
 
 

 

     
     

 

 
     
 
 

 
     

 

 
  1755 

 Entwurf für die Errichtung einer neuen Hauptwache mit Garnisonskirche

 
   
 

Planungen für den Abriß der Hauptwache auf dem Neumarkt und Errichtung einer neuen Hauptwache auf dem
Gewandhausgrundstück seit 1755

 

 
   
 

Aus den Ratsakten des Jahres 1755(Stadtarchiv Dresden, C.XIII.21, 25-26):
„[...]Unser allergnädigster Herr ein vor allemahl den Entschluß gefaßet, mit dem hiesigen Gewandhaus aufm Neumarckt die             schon länger praemeditirt gewesene Änderung zu treffen [...] das Gewandhaus zu einem ganz anderen Gebrauch adaptiren, und nicht allein die alhiesige Hauptwacht nebst Gouvernement Kriegs Gericht Stube darin verlagern, sondern auch die oberen Etagen zu einer Garnisonskirche adaptiren, die alte bisherige Haupt Wacht aber um einen freyen und geraumen Platz zu Aufsetzung Ihro Statue zu erlangen, abtragen und die Materialien davon zu aptirung des neuen Wacht- und Kirchen Gebäudes employiren zu laßen[...]“

 

 
   
  Hauptwacht  
   
         
     
 
         
         
 

1756

  Planung für eine Aufstockung des Gewandhauses
 
 

 

 
 

Kulturelle Nutzung des Alten Gewandhauses

 

 
   
 

Aus den Ratsakten des Jahres 1756 (Stadtarchiv Dresden, C.XIII.23, 5-7):
„[...]Gleichwie nun hierdurch dem neuen Gelaße des Gewandhauses ein ansehnlicher Raum zuwächst, mithin um so weniger Beschwerlichkeit verursachen kan, den zu bequehmer Anlage des Theatri unentbehrlichen Raum in solcher Beschaffenheit herzugeben, damit einige gute Prospecte ordentlich vorzustellen, zu beyden Seiten Logen über einander anzubringen[...]“

 


 

 
   
 

1756–73

 

Siebenjähriger Krieg

 
   
 

Platzmangel erschwert die Verlegung der Fleischerstände

 

 
   
 

Aus den Ratsakten des Jahres 1751 (Stadtarchiv Dresden, C.XIII.21, 15-23):
„[...]Auf E. hohen Commission anderweite Veranlaßung einen bey seit abgelegenen Orth in der Stadt vorzuschlagen, an
welchen die Fleischbäncke schicklich unterzubringen seyn möchten haben wir zwar nicht ermangelt diese Sache nach allen dabey vorkommenden Umständen nochmahlen genau zu erwägen, können aber in schuldigsten Respect nicht vorhalten was maßen uns in der Stadt kein schicklicher Orth vorgekomen der zu anlegung derer Fleischbäncke gebrauchet werden könnte[...]“

 

 
   
  GrundrissDresden  
   
 

 

Nach dem Siebenjährigen Krieg werden die Bemühungen um eine neue Hauptwache auf dem Grundstück des Alten Gewandhauses verstärkt. Durch die Kriegsschäden gibt es innerhalb des Festungsbereichs Grundstücke auf denen die Fleischerstände und die Gewandbänke untergebracht werden können. Bereits in den Jahren 1768-1770 wird das Neue Gewandhaus in der Kreuzgasse errichtet. Aufgrund der schwierigen Finanzlage des Rates der Stadt muß der Neubau des Gewandhauses vorerst mit höfischen Geldern bezahlt werden.

 


 

 
   
 

1768–70

 

Errichtung des Neuen Gewandhauses in der Kreuzgasse

 


 

 
   
 

1791

 

Abbruch des Alten Gewandhauses

 


 

 
   
 

1788–1802

 

Planungen für die Errichtung einer neuen Hauptwache

 
   
 

Planung für die Errichtung einer neuen Hauptwache wird bis kurz vor die napoleonische Besatzung weiterverfolgt

 

 
   
 

Karl Wilhem Dassdorf, 1782 (Beschreibung der [...] Churfürstlichen Residenzstadt Dresden, 73):
„[...] Der Neumarkt ist ein schöner großer Platz, obgleich die Form desselben nicht regelmäßig ist. Dieser Platz ist vorzüglich mit schönen Gebäuden geziert. Der Churfürstliche Stall, die Frauenkirche, verschönern ihn besonders. Man findet auf selbigem einen schönen steinernen Springbrunnen, mit einer Bildsäule. An diesem Platze steht:
1. Das Gewandhaus, bekannt unter der Benennung der alten Fleischbänke, ein verfallenes und schlechtes Gebäude, weswegen es auch bestimmt ist, abgetragen zu werden, um auf diesem Platze die neue Hauptwache nebst der Garnisonskirche zu erbauen[...]“

 

 
   
 

Erste Schäden an der an das Gewandhausgrundstück angrenzenden Bebauung

 

 
   
 

Aus den Ratsakten des Jahres 1803 (Stadtarchiv Dresden, Akte C.XIII.35,35-40)
„[...]Diese alten entblößten Gewölbe waren nun der Witterung ganz Preis gegeben welches zur nothwendigen Folge hatte, daß in kurzer zeit die drey mit Kreuzgewölben versehenen Schäfte nach dem alten Gewandhaus Gaße zu [...] sich von denen nach dermaßen stehenen Tonnen oder Kuffen Gewölben abtrennten und die Kreuzgewölbe zusammenfielen.[...]“

 

 
   
   NeueHauptwache  
   
 


Einstweilige Überlassung des Gewandhausgrundstückes

 


 

 
   
  1805 

 Einstweilige Überlassung des Gewandhausgrundstückes an den Rat der Stadt

 
   
 

Widerrufsklausel des Hofes

 

 
   
 

Aus den Ratsakten des Jahres 1805 (Stadtarchiv Dresden, Akte C.XIII.35, 113-114):
„[...] Nachdem Ihro Kurfürstliche Durchlaucht zu Sachsen für gut befunden den am Neumarkte allhier gelegenen zu Erbauung eines neuen Hauptwachgebäudes bestimmt gewesenen Platz des vormaligen Gewandhauses vorietzt und bis zur anderweiten höchsten Anordnung unbebauet liegen zu lassen, dagegen aber gnädigst gemeint sind, besagten platz mit der darauf einstweilen auszuübenden Gerichtsbarkeit, jedoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalte des Höchst derenselben daran zu stehenden Eigentums, dem hiesigen Stadtrate auf dessen darum geschehenes untertänigstes Ansuchen unentgeltlich und dergestalt zu überlassen, dass derselbe solchen Platz als area publica, besonders zur Jahrmarktszeit ungehindert zu gebrauchen haben[...]

 


 

 
   
 

1806–15 

Napoleonische Besatzung 

 
   
 

In der Napoleonischen Besatzungszeit werden die Befestigungsanlagen der Stadt Dresden geschliffen und die rückwärtig an das Gewandhausgrundstück angrenzenden Gebäude mit Platzfassaden versehen. Die schwierige finanzielle Lage des Hofes, neue Bauprojekte außerhalb der ehemaligen Stadtgrenzen und die bauliche Veränderung des Blockrückraums haben das Hauptwachenprojekt schließlich zum Erliegen gebracht.

 


 

 
   
 

Bis 1815 

Umgestaltung und Wiedererrichtung der rückwärtigen Bebauung mit Platzfassaden zum Neumarkt

 

 
   
  Hauptfassaden  
   
 

Archäologische Grabungen auf dem Gewandhausgrundstück

 
   
 


Bei den archäologischen Grabungen im Sommer 2006 wurden neben der mittelalterlichen Stadtmauer und der Zwingermauer die 1591 im Zuge der geplanten Errichtung eines Rathauses am Neumarkt angelegten Kellergewölbe freigelegt. Die Gewölbe wurden in der Folge als Ratskeller genutzt.

 

 
   
  ArchaeologischeGrabungen  
   
  Plan  
   

 

 

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letzte Aktualisierung 26.08.2015